Wie Sie Ihr Reisebüro online vermarkten – Teil 3

Laut einer Gemeinschaftsstudie von Google und TUI werden fast 90 Prozent aller Reisen heute online vorbereitet. Auch wenn das Reisebüro der FUR Reiseanalyse zufolge bei Reisen ab fünf Tagen immer noch die beliebteste Anlaufstelle für die Buchung ist, müssen sich stationäre Büros neue Wege überlegen, um Ihre Kunden zeitgemäß anzusprechen.

Das Social Web bietet dabei zahlreiche Möglichkeiten für die Online-Vermarktung. Von der reinen Information bis zu interaktiven Service-Angeboten: Wir zeigen Ihnen in unserer vierteiligen Serie, wie es geht.

In den vergangenen Teilen haben wir bereits die reine Informationsvermittlung (Stufe 1) und die Interaktion mit Kunden (Stufe 2) über Social-Media-Kanäle betrachtet. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit der dritten Stufe: Den Online Experten. Sie können gleichzeitig Bestandskunden binden und Neukunden gewinnen.

Stufe 3: Experten – Bestandskunden binden und Neukunden gewinnen

Auch in dieser Stufe empfiehlt es sich, Plattformen mit Kommentarfunktion wie Facebook, Instagram oder ein eigenes Blog zu benutzen. Erstellen Sie eine Netiquette, in der Sie den Umgang miteinander definieren und festlegen, wann Kommentare oder User gelöscht werden (z. B. rechtsradikale, beleidigende oder diskriminierende Kommentare). So schützen Sie sich und Ihre Nutzer und gewährleisten eine friedliche und konstruktive Diskussion. Gleichzeitig sorgen Sie für Transparenz, wenn Sie im Vorfeld klarstellen, wann Inhalte gelöscht werden.

Welche Inhalte interessieren Ihre Leser?

Veröffentlichen Sie nur Inhalte, die Ihren Lesern einen echten Mehrwert liefern. Dazu zählen beispielsweise Reiseberichte in Form von Beiträgen, Fotoalben oder Stories mit konkreten Empfehlungen. Setzen Sie dabei auf viele Bilder und Videos, um das Reiseziel umfassend vorzustellen und Ihren Kunden schmackhaft zu machen.

Fragen Sie auch gezielt nach Wünschen für Reiseziele, über die Sie berichten sollen. Anhand von Kommentaren, Likes und geteilten Beiträgen, sehen Sie, welche Inhalte besonders erfolgreich waren. Nehmen Sie diese Reiseziele verstärkt in Ihr Angebot auf.

Einen Service der etwas anderen Art erhalten Ihre Seitenbesucher per Videoberatung. Kündigen Sie etwa eine Videoberatungsstunde für jeden ersten Freitag im Monat an und beantworten Sie – beispielsweise auf Facebook – live die eingehenden Fragen Ihrer Interessenten.

Wichtig ist, dass Sie aktiv sind und regelmäßig Beiträge veröffentlichen. Denn lesen Ihre Seitenbesucher gute Inhalte, die Sie interessieren, bleiben sie neugierig und folgen Ihnen. Enttäuschen Sie Ihre Kunden und Interessenten deshalb nicht mit unregelmäßig bespielten Seiten.

Eine hohe Aktivität ist aber auch in Sachen Interaktion gefragt. Werden Fragen gestellt oder wird Feedback gepostet, erwarten die Absender auch zeitnah eine Antwort. Nehmen Sie sich selbst den Druck und beugen Sie verärgerten Seitenbesuchern vor, indem Sie Zeiträume für die Beantwortung von Kommentaren ebenfalls in der Netiquette festhalten.

Influencer sind in aller Munde

Wird heute über Online Marketing gesprochen, bleiben Influencer selten unerwähnt. Sie müssen jedoch nicht zwingend Geld in Menschen stecken, die Ihre Angebote bewerben. Werden Sie und Ihre Mitarbeiter bzw. Kollegen stattdessen selbst zum Influencer.

Indem Sie mit interessanten Beiträgen Follower generieren und sich nach und nach eine Community aufbauen, können Sie sich bei Ihren Fans als Meinungsführer etablieren. Dafür müssen Sie allerdings auch viel Zeit, Geduld und Ressourcen investieren. Binden Sie alternativ Bestandskunden als Influencer ein, die im Social Web aktiv sind und bereits eine Community haben. Der Vorteil: Die Empfehlungen der Bestandskunden basieren auf deren Erfahrungen und werden nicht als Werbung für Ihr Reisebüro wahrgenommen.

Tipp: Nutzen Sie Bestandskunden als Influencer

Anhand der Interaktionen auf Ihren Social-Media-Seiten können Sie schnell besonders aktive Kunden identifizieren und ansprechen. Bieten Sie ihnen als Gegenleistung für Fotos oder Reiseberichte nach einem schönen Urlaub zum Beispiel exklusive Informationen vor allen anderen Kunden an oder laden Sie sie zu einem besonderen Event in Ihrem Reisebüro ein.

Denken Sie sich einen Hashtag (#) für Ihr Reisebüro aus und nutzen sie ihn bei eigenen Beiträgen. Hashtags fungieren als eine Art Verlinkung für Begriffe. User, die nach diesem Begriff suchen, landen dann bei allen Inhalten zu diesem Hashtag. Die Hashtags sollten deshalb eindeutig sein. Rufen Sie auch Ihre Follower auf, den Hashtag für eigene Postings aus dem Urlaub zu nutzen. Die besten Beiträge verlinken Sie dann auf dem eigenen Social-Media-Profil.

Beispiel: Ein jahrelanger Kunde bucht jedes Jahr eine Fernreise bei Ihnen. Dieses Mal geht es für ihn nach Kanada. Flug & Transfer, Unterkünfte und ein Mietwagen wurden von Ihnen organisiert. Der begeisterte Kunde möchte seine Eindrücke mit seinem Umkreis teilen und veröffentlicht täglich Urlaubsbilder auf Instagram. Unter jedes Bild setzt er unter anderem Ihren Hashtag. Andere Nutzer, die von den Bildern für die nächste Reise inspiriert wurden und ähnliche Pläne haben, werden so auf Ihr Reisebüro aufmerksam.

Professionelle Kooperationen

Steht Ihnen Medienbudget zur Verfügung, können Sie auch in einen professionellen Influencer investieren. Auf diese Weise profitieren Sie vom Einfluss, den Erfahrungen und der Reichweite des Influencers.

Bei Influencern wird heute zwischen drei Kategorien unterschieden, die sich an deren Reichweiten orientieren: Micro-, Macro- und Star-Influencer. Während Letztere eine sehr breite Masse ansprechen und ein hohes Budget verlangen, sprechen Micro-Influencer eine sehr kleine und spitze Zielgruppe an. Sie interessieren sich mehr für die Themen, über die sie kommunizieren sollen und gehen auch für kleine Budgets Kooperationen ein.

Für Reisebüros, die ihre Angebote bewerben möchten, sind Micro-Influencer genau die richtigen. Denn Reisen müssen heute immer spezifischer werden und sich zunehmend nach bestimmten Bedürfnissen richten, um sich von den Massenangeboten der großen Online-Anbieter abzuheben. Sie bieten eine Reise speziell für Veganer an? Dann ist Ihre Zielgruppe sehr spitz; ein Influencer, der genau dieses Publikum anspricht, wäre also ideal, um Ihre Reise zu testen und darüber zu berichten. Der Influencer würde dann in seinem Namen Reiseerfahrungen, Empfehlungen und Tipps veröffentlichen und seine Follower darauf hinweisen, wo sie die Reise buchen können.

Eine Kooperation kann darüber hinaus grundsätzlich kurzfristig oder dauerhaft stattfinden. Bei einer kurzfristigen Zusammenarbeit werden vertraglich beispielsweise ein bis zwei Veröffentlichungen vereinbart, in denen ein aktuelles oder besonderes Angebot von Ihnen promotet wird. Aber auch eine langfristige Kooperation ist möglich. Hier wäre etwa ein Jahresvertrag mit monatlichen Beiträgen denkbar. Der Influencer würde dann nicht nur ein spezielles Angebot bewerben, sondern mehr als Testimonial für Ihr Reisebüro agieren.

Wichtig: Voraussetzung für jede Influencer-Kooperation ist eine tiefgründige Recherche. Wie oft werden Inhalte gepostet? Wie aktiv sind die Follower mit Blick auf Interaktionen? Wie ist das Feedback der Leser? Und vor allem: Welche Beiträge werden sonst gepostet?

Mobile Marketing: Der Kundenservice 2.0

Im letzten Teil unserer Serie haben wir bereits über den einfachen Kundenservice per Messenger berichtet. Wer noch einen Schritt weiter gehen will, lässt eine eigene App entwickeln, beispielsweise zur mobilen Organisation und Ablage aller bei Ihnen gebuchten Reisen, als Angebotsplattform, für die Kontaktaufnahme oder als Newsboard für Verspätungen, Streiks, Wetterbedingungen und vieles mehr.

Seien Sie auffindbar

Es ist außerdem sinnvoll, sich auch über die Auffindbarkeit durch Suchmaschinen Gedanken zu machen. Dazu finden Sie viele Leitfäden mit einfachen Basistipps online. Noch wichtiger ist für stationäre Reisebüros aber das Location Marketing. Mit optimierten Online-Auftritten können Sie so eine Verbindung zu lokalen Verbrauchern schaffen, die nach Reiseangeboten und Services in ihrer Umgebung suchen. Dafür bietet sich ortsbezogene Werbung an.

Für welche Möglichkeiten Sie sich auch entscheiden: Als Social-Media-Experte stehen Ihnen online alle Türen offen. Nutzen Sie das Potenzial, bauen Sie sich eine Community auf und gewinnen Sie neue Kunden durch hochwertige Inhalte.

Der letzte Teil unserer Serie zeigt die vollständige Infografik mit den drei Stufen der Onlinevermarktung als Übersich.