Was können Facebook und Co. leisten und was nicht?

Keine Werbeanzeige oder Pressemitteilung ohne Link auf die eigene Facebook-Seite und kein Werbespot ohne individuellen Hashtag: Moderne Kundenkommunikation legt viel Wert auf Interaktion und Austausch in den sozialen Medien. Aber ist ein solcher Fokus auch für stationäre Reisebüros sinnvoll? Was kann Social Media hier erreichen und was nicht?

Strategie, Ziele und Zielgruppen

Bevor Sie den ersten Beitrag schreiben und das erste Foto schießen, müssen Strategie, Ziele und Zielgruppe geklärt sein.

Für das stationäre Reisebüro kommen im ersten Schritt zwei Zielgruppen in Frage: Neukunden und Bestandskunden.

Neukunden per Social Media auf das eigene lokale Reisebüro aufmerksam zu machen und zu einem Besuch zu motivieren ist schwer und bedarf viel Aufwand. Mit Gewinnspielen und Werbeanzeigen können auf Facebook auch gezielt Menschen aus der Region angesprochen werden, die Sie noch nicht kennen. Das fordert jedoch einen langen Atem und erzeugt zusätzliche Kosten.


Definition: Sponsored Content
Jeder Beitrag auf Facebook lässt sich für Geld bewerben. Für eine vorab bestimmte Zielgruppe erscheinen diese Inhalte prominent in der eigenen Timeline und sind als gesponserte Beiträge gekennzeichnet. So lassen sich auch Kunden ansprechen, die nicht schon Fan der eigenen Seite sind.

Sinnvoller ist der Fokus auf Bestandskunden. Mit ihnen kann per Social Media eine persönliche Beziehung aufgebaut werden, die zu mehr Kundenbindung führt: die eigene Facebook-Seite als Gemeinschaft von gleichgesinnten Reisebegeisterten. Hier können stationäre Reisebüros mit ihren Mitarbeitern punkten und die eigene Expertise jeden Tag aufs Neue präsentieren.

„Der eigene Social-Media-Auftritt muss dem Kunden einen Mehrwert bieten und auf die eigene Marke einzahlen“, bestätigt auch René Morawetz, Experte für stationären Reisevertrieb. Er arbeitet seit über 20 Jahren in der Touristik und kennt den Alltag im Reisebüro als Mitarbeiter und regionaler Verkaufsleiter Agenturbetreuung TUI.

Heute gibt Morawetz in Seminaren und auf seiner Website das gewonnene Wissen weiter. „Als Kunde möchte ich nicht nur Werbung für die aktuellen Reiseangebote auf Facebook sehen. Das ist uncool und zeigt keine Expertise.“ Deswegen empfiehlt auch er: „Vorher einen Plan machen und Ziele definieren.“

Zwei Ziele könnten sein: Inspiration liefern und den Impuls zum Reisen auslösen. Wenn dann noch erkennbar ist, dass das eigene Reisebüro mit den Experten für genau diesen Reisewunsch besetzt ist, hat der Social-Media-Auftritt seine Aufgabe erfüllt. Die persönliche Beziehung bringt den Kunden dann auch ins eigene Geschäft.

In der Praxis

In Ihrem Reisebüro sollte eine Person für den Social-Media-Auftritt verantwortlich sein. Sie sorgt für eine einheitliche Ansprache und koordiniert die Inhalte. Ein langfristiger Plan für die kommenden Beiträge ist dabei hilfreich. Regelmäßige Postings sind wichtig, um in den Timelines der Kunden präsent und damit im Gedächtnis zu bleiben.

Bleibt noch der Inhalt selbst. Wie schon erwähnt: Last-Minute-Angebote und Hinweise auf Frühbucherrabatte sollten die Ausnahme bleiben. „Persönlich sein, Geschichten erzählen und zeigen, dass man Experte ist“, rät René Morawetz. Das sind die Alleinstellungsmerkmale, mit denen Reisebüros sich untereinander und gegenüber Onlinedienstleistern unterscheiden.

Berichten Sie aus dem Alltag im Reisebüro. Woran wird gerade gearbeitet? Gibt es Info-Veranstaltungen oder Vorträge? Kommt ein Kollege gerade aus dem Urlaub zurück und hat einige Reisetipps für Ihre Kunden parat? Damit lassen sich kurze Geschichten erzählen, die Ihre Arbeit und Expertise unterstreichen.

Aber: Das Baby des Chefs, der Hund des Expis und die schöne Torte, die der Praktikant zum Abschied gebacken hat, sind für Ihre Kunden nicht automatisch von brennendem Interesse. Zu viel Persönliches birgt die Gefahr, dass aus externer Kommunikation interne wird und Kunden sich nicht mehr zugehörig fühlen.

social media reisebüro

Mit Bildern Lust aufs Reisen machen

Gut geteilt ist halb gewonnen

Binden Sie Ihre Kunden mit ein und lassen Sie sich frische Inhalte liefern. Viele Menschen teilen gerne ihre Urlaubserfahrungen und stellen vielleicht einige Fotos vom schönen Sandstrand und dem blauen Meer bereit. Nutzen Sie die Begeisterung Ihrer Kunden, um anderen zu zeigen, wie gut Sie Ihre Arbeit machen.

Wenn Sie relevante Inhalte von anderen Webseiten teilen, erzeugen Sie ohne viel Aufwand regelmäßig neue Beiträge. Machen Sie Recherchen zu neuen Destinationen öffentlich und teilen Sie Ihr Wissen. Alles, was Ihre Expertise für die Beratung und Empfehlung von spannenden und individuellen Reisezielen untermauert, darf geteilt werden.

Visuell kommunizieren – egal wo

Bilder und Videos sind auf allen sozialen Netzwerken die beliebtesten Inhalte. Beschreiben Sie einen schönen Urlaubsort also nicht nur mit Worten, sondern liefern Sie die optischen Beweise gleich mit. Sie laden Ihre Kunden in Ihr gemütliches Reisebüro ein und werben mit einer entspannten Atmosphäre? Dann sollte es davon auch aktuelles und ansprechendes Bildmaterial auf Ihrer Seite geben.

Smartphones erleichtern die Social-Media-Arbeit und ermöglichen neue Kommunikationswege. Live-Videos auf Facebook sind kein Hexenwerk mehr. Laden Sie zu einem festen Datum zu einer Frage-Antwort-Runde ein und berichten Sie von einem neuen Reiseziel. Das Video können Sie anschließend ins Archiv auf Ihre Seite stellen und so für die Zukunft verfügbar halten.

Bleibt noch die Frage nach dem richtigen Kanal. Mit 28 bzw. 9 Millionen Nutzern in Deutschland bieten sich Facebook und Instagram als zentrale Social-Media-Plattformen an. Gerade Facebook integriert aktuell regelmäßig beliebte Funktionen anderer Anbieter und stellt mit einem breiten Multimedia-Angebot alle Werkzeuge für interessante Inhalte bereit.


Definition: Medien auf Facebook
Einfache Fotos und Videos sind auf Facebook Standard. Mit automatischen Slideshows, Live-Videos, Panoramabildern, 360-Grad-Videos und neuerdings Facebook Stories ist aber noch viel mehr möglich. Stories sind Bilder und Videos, die nach 24 Stunden automatisch gelöscht werden. Es darf also experimentiert werden.

Zum Abschluss: Wie wichtig ist Social Media wirklich? René Morawetz berät viele Reisebüros und formuliert es so: „Muss man als stationäres Reisebüro Social Media machen? Nein. Kann man es machen und damit Kundenbindung erzeugen? Ja, klar.“ Aber ein Punkt sei ein Muss: „Ein Reisebüro sollte online präsent sein. Eine eigene Website mit aktuellen Informationen und der klaren Positionierung als Experten kann auch funktionieren.“

Und wenn diese Basis schon steht, sind soziale Netzwerke eine perfekte Möglichkeit, um bestehende Kundenbindungen zu stärken und sich authentisch und persönlich zu präsentieren.