Der Aufschwung der digitalen Welt hat den E-Commerce in den letzten Jahren deutlich vorangetrieben. Auch die Reisebranche hat die Auswirkungen des Onlinebooms zu spüren bekommen. Schaffen es stationäre Reisebüros, sich dem Trend anzupassen, indem sie auch digital präsent sind, können sie aber sogar einen Nutzen aus der Digitalisierung ziehen. RoPo – Research online, Purchase offline – heißt das Stichwort, das ihnen neue Türen öffnet.

Aktuelle Studien zeigen: Die Mehrheit der Deutschen betrachtet das persönliche Gespräch, vor allem im Reisebüro, nach wie vor als wichtigsten Buchungsweg. Das bisweilen befürchtete Wegbleiben von Kundschaft im Reisebüro ist nicht eingetroffen.

Ein Strukturwandel ist dennoch zu beobachten: Wurden 2007 noch 17 Prozent der Urlaubsreisen online gebucht, waren es 2017 schon 38 Prozent. Die GfK geht davon aus, dass bereits 2020 die Mehrheit der Urlaubsbuchungen über das Internet stattfinden wird. Unumstritten bleibt auch, dass sich das allgemeine Informationsverhalten nachhaltig verändert hat. Doch das beinhaltet auch Chancen.

Was bedeutet der RoPo-Effekt?

Online informieren, offline kaufen. Gemeint ist ein Trend, der sich schon seit vielen Jahren abzeichnet. Im digitalen Zeitalter nutzen Konsumenten zunehmend das Internet, um sich über Reiseziele zu informieren, Preise zu vergleichen oder Erfahrungsberichte und Rezensionen von anderen Reisenden zu lesen. Gebucht wird dann im Reisebüro des Vertrauens. Dieser Prozess wird auch Webrooming genannt.

Dass auch das Gegenteil möglich ist, zeigt das Showrooming. Hier lassen sich Kunden im stationären Handel beraten und buchen dann online. Die Frage ist, welche Möglichkeiten stationäre Reisebüros ergreifen können, um den Trend in die richtige Richtung zu lenken.

Umdenken: Und zwar in Richtung Online

Um Kunden zu erreichen, die sich online informieren, sollte jedes stationäre Reisebüro auch eine Onlinepräsenz besitzen. Auf diese Weise werden sie nicht nur für das digitale Publikum attraktiver, sondern erreichen auch Reiseplaner, die sie offline vielleicht gar nicht erst antreffen würden.

Mit einer guten und suchmaschinenoptimierten Website können die eigenen Angebote der Onlinewelt präsentiert und bei attraktiven Inhalten sogar neue Kunden gewonnen werden. Denn Fakt ist, dass Reisefans sich zunächst erst einmal online informieren: Fast 90 Prozent aller Reisen werden mittlerweile online vorbereitet. Ob die Kunden bei der Recherche auf Angebote des Reisebüros stoßen oder sich für digitale Plattformen entscheiden, kann vom stationären Reisebüro aktiv beeinflusst werden.

Auf der Website sollten folgende Infos einfach zu finden sein:

  • Wo kann die Reise gebucht werden?
  • Kontaktmöglichkeiten
  • Öffnungszeiten
  • Welche Services werden darüber hinaus noch angeboten?

Interaktion mit den Kunden im Social Web

Eine begleitende Website allein ist heute allerdings meist nicht mehr ausreichend. Wollen Reisebüros auch online ein breites Publikum erreichen, empfiehlt es sich für sie, zusätzlich im Social Web aktiv zu sein und soziale Kanäle für sich zu nutzen.

Facebook, Instagram und Twitter bieten dafür hervorragende Möglichkeiten. Mit einem eigenen Unternehmensprofil können sich Reisebüros nach und nach ein Netzwerk aufbauen und stetig erweitern. Hier können sie die Stimmen der Weltenbummler einfangen und erfahren, was diese sich wünschen. So lassen sich optimierte Angebote entwickeln und direkt auf die Zielgruppe zuschneiden. Auf Facebook gibt es beispielsweise zahlreiche Gruppen, die sich mit Reisethemen beschäftigen und Trends aufzeigen. Hier ist Interaktion gefragt: mitmischen, zuhören & reagieren. Mit regelmäßigen Aktionen, die Reisefans zum Mitmachen animieren, können Reisebüros eine feste Fanbase bilden und die Kundenbindung stärken.

Mithilfe von Digitalkampagnen können darüber hinaus Angebote beworben und das Reisebüro bekannt gemacht werden. Wichtig ist, dass das Reisebüro vorab eine Strategie entwickelt und Ziele klar definiert. Sollen Bestandskunden angesprochen oder auch Neukunden gewonnen werden? Ist es das Ziel, Produkte anzupreisen oder den Betrieb bekannt zu machen?

Je nach Budget bieten sich dann auch Kooperationen mit Influencern, wie Reisebloggern, an. Schafft es das Reisebüro, dass ein Blogger es in seinem Beitrag empfiehlt, indem er beispielsweise über seine gebuchte Reise berichtet, stehen auch die Chancen für neue Kunden aus der Onlinewelt gut.

Zusammenwachsen der Online- und Offlinewelt

Die Lösung liegt auf der Hand: Das Reisebüro kann die Entwicklungen für sich nutzen und sogar Gewinn daraus ziehen, indem es seine Offlinewelt mit der Onlinewelt zusammenwachsen lässt.

Keine Frage, zu Beginn fallen ein hoher Arbeitsaufwand und – je nach Maßnahme – auch Kosten an. Mitarbeiter müssen viel Zeit für die Pflege der Onlinepräsenz und die Interaktion in Communities investieren und möglicherweise sind dafür sogar Schulungen notwendig. Das Resultat wird sich jedoch auszahlen. Denn Tatsache ist, dass sich der digitale Wandel nicht aufhalten lässt. Ein Nachteil, wenn Betriebe sich nicht ebenfalls wandeln und genauso weitermachen wie bisher. Ein Vorteil aber für diejenigen, die sich den Veränderungen anpassen und ihre Zielgruppen erweitern. Wie das in der Praxis konkret aussehen kann, lesen Sie im Interview mit Oliver Wulf von urlaubsexperte.de.