Die Jungen leben nur online und die Alten nur offline. Dieses Klischee gilt schon lange nicht mehr. Egal zu welchem Thema: Alle Altersgruppen sind im Internet aktiv. Das gilt auch für den Urlaub. Typologien helfen, das Digitalverhalten von Urlaubern besser zu verstehen.

Die digitalen Deutschen auf Reisen

Die Zahlen sprechen für sich: 77 Prozent der Deutschen unternahmen 2016 mindestens einmal im Jahr eine Urlaubsreise von fünf oder mehr Tagen. Gemeinsam kamen sie auf fast 69 Millionen Reisen (Zahlen und Fakten zum deutschen Reisemarkt 2016).

Parallel dazu ist die Nutzung des Internets in Deutschland auf ein Allzeithoch geklettert. 2016 waren 58 Millionen Deutsche online, 65 Prozent davon täglich. Insgesamt waren damit fast 84 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren regelmäßig im Internet unterwegs (ARD/ZDF-Onlinestudie 2016).

Was machen die Deutschen online?

Die Onlinestudie von ARD und ZDF schlüsselt die tägliche Nutzungsdauer nach Tätigkeiten auf und zeigt: Die Deutschen suchen im Netz rund eine halbe Stunde am Tag nach Informationen und führen Transaktionen in Onlineshops oder beim Onlinebanking durch. Weitere 90 Minuten werden für Kommunikation, Medienkonsum und Spiele genutzt.

Zwischen den Generationen gibt es dabei einen interessanten Unterschied: Die Älteren nutzen mehr Onlinezeit für Recherche und Shopping als die Jüngeren. Bei denen überwiegen dafür Kommunikation und Mediennutzung.

Was heißt das für die Reisebranche?

Basierend auf den hohen Nutzungszahlen des Internets ist klar, dass fast alle Urlauber auch Onliner sind. Je nach Reisetyp unterscheidet sich aber die Art und Weise, wie die Möglichkeiten des Webs vor, während und nach der Reise eingesetzt werden.

Anhand dieser Reisetypen lässt sich das unterschiedliche Digitalverhalten der Urlauber analysieren und die richtige Ansprache für die richtige Zielgruppe am richtigen Ort finden.

Welche Reisetypen gibt es?

Mehrere Studien haben in den letzten Jahren Reisetypen mit unterschiedlichen Schwerpunkten definiert. Eine Studie der Marktforschungsinstitute phaydon und forsa aus dem Jahr 2009 gruppierte die Urlauber nach ihren Reisemotiven und kam auf insgesamt neun Reisetypen: darunter der passive Genießer, der weltoffene Entdecker und der preissensible Partymacher.

Einen anderen Fokus wählte eine aktuelle Studie von Amadeus. Anhand von Trends und dem erwarteten Reiseverhalten in der Zukunft wurden sechs dominierende Reisetypen für das Jahr 2030 projiziert. Die Analyse berücksichtigt besonders die digitalen Entwicklungen und stellt neue Urlaubstypen wie den Selbstdarsteller im Netz oder den Reise-Hedonisten vor.

Auf Basis dieser beiden Studien haben wir beispielhaft fünf übergeordnete Reisetypen definiert. Sie fassen die klassischen Urlaubsgruppen und die Zukunftstrends zusammen und ermöglichen auch einen Blick auf das unterschiedliche Digitalverhalten.

Der Soziale

Der soziale Urlauber verreist nicht nur gerne gemeinsam mit anderen, er möchte auch allen Daheimgebliebenen von seinen Erlebnissen berichten. In Zeiten von Social Media passiert das nicht erst nach der Heimreise, sondern schon während des Urlaubs. Das Sammeln von sozialem Kapital ist ihm sehr wichtig. Dementsprechend ist er empfänglich für Empfehlungen aus dem Freundeskreis. Gerade von Fotos und Videos anderer Urlauber lässt er sich gerne inspirieren.

Wie er sich inspiriert: Social Media (Instagram, Pinterest, Facebook)

Was und wo er bucht: besondere Pauschalreisen, stärker online

Wie er kommuniziert: öffentlich, per Smartphone, auch im Urlaub

Der kulturelle Entdecker

Lange bevor der kulturelle Entdecker zu seinem Urlaub aufbricht, hat er sich schon im Netz über interessante Orte und Veranstaltungen informiert. Er recherchiert unabhängig und sucht sich die Informationen aus verschiedenen Quellen zusammen. Dabei helfen Apps, die ihn später vor Ort zum richtigen Zeitpunkt zu den besten Sehenswürdigkeiten führen. Die kulturellen Eigenarten der verschiedenen Länder möchte er dabei hautnah erleben.

Wie er sich inspiriert: Reisemagazine und -kataloge, online und aus dem Reisebüro

Was und wo er bucht: einzelne Bausteine gezielt online oder bei passenden Angeboten im Reisebüro

Wie er kommuniziert: eher im Privaten, berichtet gern von seinen Entdeckungen

Der Nachhaltige

Persönliche Entspannung und soziale Verantwortung kommen beim nachhaltigen Urlauber zusammen. Deswegen sucht er online und in Reisekatalogen nach speziellen Angeboten, die seine Wünsche kombinieren. Transparenz ist ihm sehr wichtig. Reiseveranstalter und Hotels müssen ihm regelmäßig nachweisen, dass ihre Dienstleistungen den Menschen und der Umwelt wenig schaden. In sozialen Netzwerken tauschen nachhaltige Urlauber ihre Erfahrungen aus und planen auch mal eine Reise auf eigene Faust.

Wie er sich inspiriert: spezialisierte Reiseblogs, Communities und Reiseveranstalter

Was und wo er bucht: ganze Reisepakete im Reisebüro oder alles individuell online

Wie er kommuniziert: sucht den Austausch mit Gleichgesinnten, online und im richtigen Leben

Der Bequeme

Bloß keinen Stress. Der bequeme Urlauber möchte möglichst viel Arbeit von der Reisebranche abgenommen bekommen. Er verlässt sich auf das Wissen von Experten, egal ob online oder im Reisebüro. Digitale Serviceleistungen wie Vorab-Check-ins nimmt er gerne an, wenn sie ihm das Reiseerlebnis vereinfachen. Auch Geschäftsreisende gehören mehrheitlich in diese Gruppe. Je schneller und unkomplizierter Buchung und Reiseerlebnis organisiert werden können, desto besser.

Wie er sich inspiriert: Empfehlungen von Freunden und Reiseexperten

Was und wo er bucht: Pauschalreisen im Reisebüro und besondere Serviceangebote online

Wie er kommuniziert: schnell und zielorientiert, online und offline

Der Erlebnis-Sucher

Der eigene Urlaub soll etwas ganz Besonderes sein, denn im Alltag bleibt wenig Zeit für Freizeit und einzigartige Erfahrungen. Deswegen sind Erlebnis-Sucher auf Empfehlungen von Reiseexperten angewiesen. Sie wollen eine Vorauswahl spezieller Angebote, für die sie auch gerne etwas mehr bezahlen. Luxus und Genuss stehen im Vordergrund. Gerade Soloreisende aus urbanen Wohnorten wollen einmal im Jahr eine bewusste Erfahrung außerhalb der eigenen Gewohnheiten machen. Dazu zählt für einige auch, sich von digitalen Technologien für eine gewisse Zeit zu befreien.

Wie er sich inspiriert: sammelt exklusive Vorschläge online, nutzt Expertenwissen offline

Was und wo er bucht: individuelle Reiseangebote genau nach Wunsch, meist im Reisebüro

Wie er kommuniziert: nicht öffentlich und selten online, sucht Abstand vom Alltag

Von den Reisetypen zur Zielgruppe

Überschneidungen zwischen den verschiedenen Typen sind nicht ungewöhnlich, schließlich passt nicht jeder Kunde genau in das vorgegebene Raster. Ein Blick auf die Reisetypen hilft jedoch, die Erwartungen der Urlauber an die Reisewirtschaft besser zu verstehen und Trends frühzeitig zu erkennen.

Egal ob Reisebüro, Reiseveranstalter oder Dienstleister: Je nach Zielgruppe sind unterschiedliche digitale Angebote gewünscht. Für die einen sind es Information und Inspiration lange vor der Reise, für andere die bequeme und individuelle Buchung zur richtigen Zeit und wieder andere wünschen sich das Rundum-sorglos-Paket. Ganz ohne digitale Komponente wird in Zukunft aber kaum ein Urlauber verreisen.