Kann man einen Urlaubstraum digitalisieren? Kann man das romantische Hotel in der malerischen Bucht und das Zimmer mit Meerblick in trockenen Datenzeilen beschreiben? Ja, man kann. Und man muss es sogar. Schon seit den siebziger Jahren werden Pauschalreisen in Codezeilen beschrieben, gesucht und gebucht. Abflughafen, Destination, Hotel, Zimmertyp, Verpflegungsart und so weiter. Die Möglichkeiten der Systeme waren stets begrenzt und somit auch die Informationstiefe der dargestellten Angebote.

Details durch Digitalisierung

Doch das hat sich mit der Digitalisierung geändert. Alles ist möglich. Jedes klitzekleine Detail eines Reiseangebotes kann in Daten dargestellt und somit gesucht und gefunden werden. Die Kriterien, nach denen Expedienten und Kunden ihre Wünsche in einer Suche Ausdruck verleihen können, werden immer vielfältiger.

Das verlangt nach Einheitlichkeit. Und so haben wir beim Deutschen ReiseVerband (DRV) bereits vor zehn Jahren damit begonnen, einen Standard für die Beschreibung von Reiseleistungen zu entwickeln. So sind 2012 die GlobalTypes entstanden, ein Codesystem, das jedes Attribut einer Reise berücksichtigt. GlobalTypes sind kein Datenformat im engeren Sinne. Eher eine Art komplexes Verzeichnis, das von verschiedenen Datenformaten wie EDF oder OTDS (Offener Touristischer Datenstandard) umgesetzt werden kann. Diese Datenformate dienen dann dem Austausch zwischen den Datenbanken der Veranstalter und den Buchungssystemen.

Komfort durch Content

Bisher haben Reisebüros und Kunden mit solchen im Hintergrund laufenden Prozessen nichts zu tun. Man bekommt an Daten das, was da ist und kann damit Reisen auswählen und buchen. Doch mit zunehmendem Detailierungsgrad der Angebotsbeschreibungen wachsen auch die Möglichkeiten. Längst pflegen die Veranstalter immer mehr Einzelattribute zu einer Reiseleistung ein. Die wachsende Zahl der GlobalTypes lässt es zu.

Schon heute sind diese Attribute in den Reiseleistungen dargestellt. Im nächsten Schritt werden die Buchungssysteme der Reisebüros aufgerüstet, damit die Attribute auch in einer Suchmaske Teil der Abfrage sein können. Golfplatz in der Nähe, Transfer möglich, vegane Küche buchbar … Wenn es für den Kunden von Bedeutung ist, wird es bald auch als Kriterium auffindbar sein.

Begonnen haben wir mit dem Kernprodukt, der Pauschalreise und dort mit verschiedenen Zimmertypen, Verpflegungsangeboten und so weiter. Inzwischen sind Attribute zu Rundreisen, Mietwagen, Ferienhäusern, barrierefreien Angeboten und vielem mehr dazu gekommen. Und so machen die GlobalTypes möglich, was der Kunde von heute verlangt: eine individuelle und auf seine Bedürfnisse abgestimmte Reiseberatung.

Aktuell sind die Anbieter der Buchungssysteme dabei, ihre Masken und Abfragen entsprechend zu erweitern. Nur so können die feineren Daten auch umfassend genutzt werden.

Im nächsten Schritt wird der Buchungsprozess entlang der erweiterten Reisebeschreibungen angepasst. Das heißt: eine Zusatzleistung wie ein Transfer oder ein Wellness-Paket wird nicht nur bei der Reise angezeigt, sondern auch direkt und ohne Zwischenschritte mitgebucht.

Neues Reiserecht als Attribut

Auch die Anforderungen der neuen Reiserechtlinie können mit den passenden Datenattributen besser erfüllt werden. In naher Zukunft kann bei jeder Reise hinterlegt sein, um welchen Reisetyp es sich handelt: um eine Pauschalreise, oder um eine verbundene Reiseleistung. So wird es möglich, die passenden Formulare direkt und automatisch auszuwählen.

Work in progress

Naturgemäß geht die Datentiefe den aus ihr resultierenden Möglichkeiten immer ein paar Schritte voraus. Erst stellen die Veranstalter ihre Leistungen im Datensatz dar, dann ziehen die Reisebürosysteme nach und machen diese Kriterien abrufbar und sichtbar. Wir können in jedem Fall sicher sein, dass die Möglichkeiten der GlobalTypes noch lange nicht ausgereizt sind.