Ein Kreuzfahrtschiff mit über dreihundert Passagieren fährt von Malaga nach Athen. Das ist erst mal nichts Besonderes. Doch das Motiv der Reisenden ist ungewöhnlich: nicht Erholung und Entspannung bringt sie auf die See, sondern Lernen, Networken und Socialisen.

Digitale Nomaden sind an Bord, um sich mit Workshops, Präsentationen, Meetups, Fuckup Nights und MasterMinds gegenseitig zu inspirieren. Diese Nomad Cruise will Arbeit und Reisen kombinieren.

Networken auf der Kreuzfahrt

Solche Kreuzfahrten mit arbeitenden und networkenden Reiseteilnehmern sind ein markantes Beispiel für einen Trend, der sich in den letzten Jahren abzeichnet: Menschen nehmen nicht Urlaub vom Arbeitsplatz, sondern sie nehmen den Arbeitsplatz mit in den Urlaub. Urlaub ist eigentlich das falsche Wort, weil es doch Nichtstun impliziert. Es geht um Reisen, Ferne, Fremde, Inspiration.

Die digitalen Nomaden sind die Backpacker des Internetzeitalters. Ihnen geht es darum, unterwegs zu sein, die Welt zu entdecken und dabei trotzdem Geld zu verdienen. Work & Travel 4.0. Sie machen nicht, wie die Backpacker früherer Tage, ein paar Dollar mit Gelegenheitsjobs als Kellner oder Surfbrettverleiher in den Badeorten ihrer Reiseländer.

Die digitalen Nomaden arbeiten im Online Marketing, als Webdesignern, Social Media-Experten oder E-Commerce-Manager oder verkaufen Produkte über Amazon. Viele dieser Nomaden haben ein vollautomatisiertes, eigenständig laufendes Business aufgebaut, bei dem sie nur noch die Zahlen kontrollieren.

Egal, wer sich gerade wo befindet

Die Digitalisierung macht es möglich. Von nahezu jedem Ort der Welt kann man mit Auftraggebern, Arbeitgebern oder Kunden verbunden sein. Über Online-Plattformen werden unterschiedlichste Fachkräfte für Projekte gebucht – egal, wo sich Auftraggeber und Auftragnehmer gerade befinden.

Julia Shem, eine Softeware-Programmiererin aus Russland, arbeitete vor drei Jahren noch im Supermarkt an der Kasse. Heute verdient sie ein sechsstelliges Jahreseinkommen mit dem Verkauf von abziehbaren Tattoos – während sie auf einem komfortablen Kreuzfahrtschiff durchs Mittelmeer cruised.

So entsteht eine neue Art des Tourismus. Digitale Nomaden buchen gerne One-Way-Flüge, sie wissen ja noch nicht, wohin es sie demnächst treibt. Sie suchen günstige Unterkünfte, nicht zwingend in den üblichen Touristenhotels, sondern da, wo sie auf Gleichgesinnte treffen. Digitale Nomaden brauchen Flexibilität, eine inspirierende Umgebung und vor allem: jederzeit eine schnelle und günstige Internetverbindung.

Ein anderer professioneller Reisender ist Tobias Rauscher. Der Gitarrenvirtuose erreicht mit seinen Videos auf Youtube 290.000 Abonnenten und gibt sein Können in kostenpflichtigen Video-Tutorials weiter. So verdient er Geld. Und aufnehmen kann er seine Videos überall. Viel Studiotechnik benötigt er nicht.

Digitale Nomaden buchen online – noch

Digitale Nomaden buchen natürlich auch ihre Kreuzfahrten, Flüge und Unterkünfte in der Regel online. Aber die digitalen Nomaden sind nur eine Vorhut. Genauso, wie die Backpacker den Pauschaltouristen immer ein paar Jahre vorausgereist sind und ihre Art des abenteuerlichen Reisens vorgelebt haben, gehen auch die digitalen Nomaden voraus. Ihnen folgen bereits eher konventionelle Angestellte, die unkonventionelle Ideen haben, weil es einfach geht. Diese Kunden sind auch für den stationären Handel interessant.

Für diese neuen Reisenden gilt es, in Zukunft interessante Produkte zu schnüren: flexibel, mit einer guten Mischung aus Entspannung, Abenteuer, Land & Leute und natürlich immer und überall perfekt vernetzt. Die Welt ist ein Büro.