Die Digitalisierung führt wie in allen anderen Lebensbereichen auch im Tourismus zu einem tiefgreifenden Wandel. Das Internet ist für die Mehrzahl der Reisenden die erste Quelle für Inspiration und Information. Hier spielen neben Webseiten touristischer Anbieter und Destinationen, auch Social Media-Kanäle, Bewertungsportale und Apps eine zunehmende Rolle. Der Wandel im Reiseverhalten erstreckt sich nicht nur auf die Art der Vorbereitung und Buchung von Reisen, sondern auch auf die Realisierung bzw. Durchführung der Reise und deren nachträgliche Bewertung. Ob Reiseveranstalter, Vertriebspartner, Gastgewerbe oder Tourismusorganisationen, alle müssen ihre Produktionsprozesse in der digitalen Wirtschaft so reorganisieren, dass die Kunden individuell und persönlich angesprochen werden können.

Dies bringt Herausforderungen und Chancen für die Mitarbeiter in touristischen Betrieben mit sich. Zeitgleich entstehen eine Fülle neuer Berufe und Betätigungsfelder, die dem touristischen Nachwuchs spannende Aufgaben versprechen.

 


Wir haben dazu Professor Armin Brysch, Internationalisierungsbeauftragter der Fakultät Tourismus an der Hochschule Kempten, befragt. Er forscht und lehrt seit sechs Jahren zu dem Thema Digitalisierung im Tourismus.

„Warum sind digitale Kompetenzen in der touristischen Ausbildung wichtig?“

Brysch: Gleich, ob ein Touristiker nach seiner Ausbildung im Reisebüro, beim Veranstalter oder bei einem Leistungsträger seine berufliche Laufbahn beginnt, in allen Betrieben werden digitale Technologien zum Einsatz kommen. Einige Reisebüros nutzen z. B. Virtual Reality Brillen, um ein virtuelles Erlebnis der angebotenen Destination oder des Hotels zu vermitteln, Reiseveranstalter haben digitale Reisekataloge mit Zusatzinformationen, Fluggesellschaften arbeiten mit Mobilitäts-Apps und Reiseportale bieten 360°-Rundgänge.

„Wichtig ist vor allem die Lust, sich mit diesen neuen Techniken auseinander zu setzen und den Nutzen für die Kundenberatung und den Verkauf zu sehen. Es bedarf weniger fundierter Informatikkenntnisse als einer Aufgeschlossenheit gegenüber digitalen Entwicklungen und Möglichkeiten.“

In welchen Bereichen des Tourismus kommen digitale Instrumente heute schon zum Einsatz?

Brysch: Es gibt kaum einen Bereich, in dem digitale Instrumente keinen Einsatz finden. Im Internet liefern Metasuchsysteme Angaben zu Buchbarkeit, Konditionen und Endpreisen in Echtzeit. Emotionsgeladenes Bild- und Videomaterial wird von Urlaubsdestinationen, OTAs, Veranstalter- oder Vergleichsportalen sowie Plattformen wie Instagram, Flickr und YouTube präsentiert. Ebenso sucht der Online-Nutzer verstärkt bei Metasuchsystemen, OTAs, Hotelvergleichsportalen oder Reise-Apps mit Direktbuchungsmöglichkeiten. Reisende nutzen Bewertungsportale, als Orientierungshilfe bei der Auswahl der Reise oder um Ihre Erlebnisse zu teilen. Von der ersten Inspiration über die Buchung bis zum Urlaubserlebnis selbst und danach, die gesamte touristische Customer Journey ist von digitalen Techniken begleitet.

Wie zeigt sich der durch die Digitalisierung hervorgerufene Wandel im Reisebüroalltag?

Brysch: Zunächst einmal basieren fast alle Buchungsabläufe auf digitalen Prozessen. Deutlich zu sehen ist, dass auch in der Beratung vermehrt digitale Mittel wie VR-Brillen, Tablets oder interaktive Monitore zum Einsatz kommen. Diese müssen durch die Fachkräfte im Reisebüro bespielt und gesteuert werden. Weiter haben einige innovative Reisebüros ihre Räume zu Lounges umgestaltet, in denen die Reiseziele auf digitalen Weltkarten entdeckt werden können. Auch der Einsatz von Robotern und Chatbots ist bei touristischen Leistungsträgern in Planung.

Welche digitalen Kompetenzen sollte ein Azubi im Tourismus mitbringen?

Brysch: Fast alle jungen Leute sind heutzutage mit ihrem Smart Phone mobil im Internet und regelmäßig auf mehreren Social Media Portalen unterwegs. Sie bringen als Digital Natives schon eine Grundvoraussetzung mit: Offenheit gegenüber digitalen Technologien. In vielen touristischen Berufen steht der Kunde im Mittelpunkt, daher ist es wichtig ein Grundverständnis für die Nutzung moderner Kommunikationsinstrumente und Anwendungen zu haben. Weniger technische Programmierkenntnisse sind notwendig, sondern ein kundenorientierter Dialog mit Unterstützung von aktueller Hard- und Software. Ziel muss immer sein, dem Kunden den bestmöglichen Mix aus online- und offline-Lösungen, aus realen oder virtuellen Erlebnissen zu bieten.


Weitere Informationen über die Ausbildungsberufe im Tourismus erhalten Sie auf der DRV-Website tourimus-azubi.de

Aktueller Literaturhinweis: Tourismus – E-Tourismus – M-Tourismus. Herausforderungen und Trends der Digitalisierung im Tourismus. Herausgegeben von Prof. Dr. Markus Landvogt, Prof. Armin A. Brysch und Prof. Dr. Marco A. Gardini: http://www.esv.info/978-3-503-17146-0