Virtuelles Geld ist eines der großen Themen der Digitalisierung: Kryptowährungen wie Bitcoin und die zugrundeliegende Blockchain-Technologie werden von den einen als logische Entwicklung für den zukünftigen Zahlungsverkehr und von den anderen als unnötige Spinnerei für Spekulanten beschrieben. Wir werfen einen Blick auf die Argumente beider Seiten und zeigen die Schnittstellen zur Reisewirtschaft auf.

Bitcoins: eine Lösung auf der Suche nach einem Problem

Im Dezember 2017 erreichte der Wert eines Bitcoins seinen bisherigen Höchststand von rund 20.000 US-Dollar. Heute (Oktober 2018) steht der Kurs nur noch bei knapp 5.500 US-Dollar. Der große Ansturm auf die bekannteste Kryptowährung scheint vorerst vorbei. Warum der massive Kursverlust jetzt eingesetzt hat, ist unklar. Einige Argumente sprechen jedoch gegen den langfristigen Erfolg der bekanntesten verschlüsselten Währung.

Die Idee, selbst kleinste Beträge per Bitcoin zu bezahlen, ist mit der aktuellen Technologie aufwendig und teuer. Im Urlaub den Cocktail am Strand per Smartphone mit einer digitalen Währung zu begleichen, scheitert vermutlich an den hohen Transaktionskosten. Jede Überweisung muss vom gesamten Netzwerk verarbeitet werden und treibt bei immer mehr Verbindungen den Aufwand in die Höhe.

In der Bitcoin-Community wird dieses Skalierungsproblem kontrovers diskutiert. Es herrscht keine Einigkeit, ob eine technische Optimierung für eine Vielzahl von Mikro-Transaktionen überhaupt noch möglich ist. Aktuell können im Bitcoin-Netzwerk maximal sieben Transaktionen pro Sekunde verarbeitet werden.

Wenn der Transfer von Bitcoins so aufwendig ist, stellt sich die Frage nach dem Nutzen der Währung. Der Einsatzzweck für regelmäßige Bezahlungen scheint im Alltag keine echten Vorteile für Käufer und Verkäufer zu bringen. Kreditkarten und Smartphones erlauben heute schon bequemes bargeldloses Zahlen an den meisten Urlaubsorten der Welt. Auch dafür fallen Gebühren an, die jedoch nicht hoch genug sind, um den Wechsel auf eine rein digitale Währung mit ähnlichen Kosten zu rechtfertigen.

Aktuell sind Bitcoins eine hauptsächlich spekulative Geldanlage mit starken Wertschwankungen. Da die Anzahl auf 21 Millionen begrenzt ist, könnte die Währung bei steigender Nachfrage auch weiter im Wert steigen. Wenn jedoch alle Marktteilnehmer ihre Bitcoins halten und auf weitere Gewinne hoffen, droht irgendwann eine Deflation und damit das endgültige Ende des Bitcoin-Booms.

Die Bitcoin-Alternativen und die Blockchain

Bitcoin ist die bekannteste Kryptowährung, doch die Konkurrenz wächst stetig. Nur noch rund 50 Prozent des Marktkapitals digitaler Währungen sind in Bitcoins angelegt – Tendenz fallend. Andere verschlüsselte Währungen wie Etherum holen stetig auf. Sie alle verbindet die technische Idee eines dezentralen Netzwerks, der Blockchain. In dieser verschlüsselten Datenkette werden alle Transaktionen registriert und verwaltet.

Überall dort, wo viele Informationen sicher übertragen werden müssen und verschiedene Netzwerkteilnehmer regelmäßig den aktuellsten Datenbestand benötigen, kann die Blockchain-Technik von Nutzen sein. Genau das trifft auf die Reisebranche zu. Kapazitäten von Flügen und Hotels könnten besser von allen Marktteilnehmern abgeglichen werden. Das würde für mehr Transparenz sorgen und könnte Überbuchungen verhindern.

Das Potential der Blockchain-Technik liegt also in der effizienten und dezentralen Datenverarbeitung, bei der alle Teilnehmer jede Transaktion registrieren und verifizieren müssen. Doch auch hier hakt es noch an der Geschwindigkeit. Erste Start-Ups arbeiten an Buchungssystemen für Hotelzimmer und den Flugvertrieb. Was beim Hotelgeschäft schon gut funktioniert, ist bei den Fluggesellschaften mit dynamischen Preisänderungen und hohen Datenmengen deutlich komplizierter.

Die Zukunft – Blockchain als Vertriebsnetz

Trotz der aktuellen technischen Hürden: Zu den bisherigen zentralisierten Angeboten der GDS und OTA könnten Buchungssysteme auf Basis einer Blockchain bald eine echte Alternative sein. Kein Wunder also, dass sich viele der großen technischen Dienstleister in der Reisebranche auch mit der Blockchain beschäftigen. Innovationen im Vertrieb von Reiseangeboten sind durch die Blockchain in Zukunft wahrscheinlicher geworden. Bitcoins und andere Kryptowährungen bleiben dagegen weiterhin eine Spielwiese für spekulative Geldanlagen.